Lokale Schutzmechanismen: Ein gemeinsamer politischer Dialog mit Nonviolent Peaceforce und der internationalen Bahá'í-Gemeinschaft
Gemeinschaften im Mittelpunkt des Schutzes: Ein Dialog von Praktikern in Addis Abeba
Am 23. April 2026 brachten Nonviolent Peaceforce (NP) und das Büro der Bahá'í International Community (BIC) in Addis Abeba Praktiker, Forscher und Aktivisten zusammen, um die Wirksamkeit lokaler Schutzmechanismen und die Dringlichkeit ihrer Integration in formelle Institutionen zu erörtern. Ausgehend von Erfahrungen aus der Demokratischen Republik Kongo und dem Sudan hoben die Teilnehmenden hervor, wie Gemeinschaften bereits kritische Schutzlücken schließen, die durch die Abwesenheit staatlicher und internationaler Akteure entstehen – etwa durch Frühwarnsysteme, Schutzpräsenz, lokale Mediation und gemeinschaftlich getragene Maßnahmen gegen sexuelle Gewalt und Vertreibung.

In der Demokratischen Republik Kongo (DRK) beschrieben Praktiker, wie kommunale Gesundheitsgenossenschaften und Dorfspargruppen Familien dabei unterstützen, Plünderungen und Vertreibungen ohne systemischen Zusammenbruch zu überstehen. Radio- und mobilfunkbasierte Frühwarnsysteme ermöglichen es Gemeinden, die Bewegungen bewaffneter Gruppen zu überwachen und organisierte Gegenmaßnahmen einzuleiten, bevor die Gewalt eskaliert. In den Kivu-Regionen erhalten Frauen die lokale Wirtschaft durch grenzüberschreitenden Handel und Landwirtschaft aufrecht, obwohl traditionelle Rollen gestört sind. Zivilgesellschaftlich getragene Programme, die lokale Männer einbeziehen, haben soziale Normen verändert und gleichzeitig sexuelle Gewalt bekämpft. All dies verdeutlicht die Möglichkeit, auf akute Krisen zu reagieren und gleichzeitig langfristige Sicherheit aufzubauen. Die Fähigkeit der Zivilgesellschaft, aus bewaffneten Gruppen ausgestiegene Jugendliche zu reintegrieren, unterstreicht zudem das Potenzial lokaler Schutzmaßnahmen, das formelle Akteure selten erreichen.

Im Sudan wurde im Dialog geschildert, wie Gemeindegruppen in El Fasher frühzeitig Warnzeichen für den bevorstehenden Fall der Stadt erkannten und darauf reagierten, indem sie Massenumsiedlungskorridore einrichteten und Schutzbegleitung anboten, um das Risiko von Entführung und Erpressung zu verringern. Als internationale Akteure unvorbereitet waren, nahmen dieselben Netzwerke getrennte Kinder auf, begleiteten Überlebende sexueller Gewalt zu Gesundheitseinrichtungen und trugen zur Deeskalation ethnischer Spannungen in Binnenflüchtlingslagern bei. Die Teilnehmenden stellten fest, dass die Frauen, die Überlebende betreuten, häufig selbst Opfer waren. Dies verdeutlicht eindrücklich, dass der Schutz der Gemeinschaften davon abhängt, die Bedürfnisse derjenigen zu berücksichtigen, die diesen Schutz leisten.
Die Teilnehmenden forderten Wissensaustauschsysteme, die gemeinschaftsbasierte Erkenntnisse in regionale Politikplattformen integrieren; stärkere Rechenschaftsmechanismen für Regierungen zur Förderung lokaler Handlungsfähigkeit; und eine Neuausrichtung internationaler Organisationen als Unterstützungsstrukturen für Gemeinschaften anstatt als primäre Leistungserbringer. Vor allem betonte der Dialog die Notwendigkeit, sich um die Helfer zu kümmern – sicherzustellen, dass psychosoziale Unterstützung und Gesundheitsversorgung die Akteure an vorderster Front erreichen, die enorme persönliche Risiken eingehen, um Schutzstrukturen aufrechtzuerhalten. Regelmäßige sektorübergreifende Dialoge, wie sie diese Veranstaltung beispielhaft vorlebte, wurden als unerlässlich angesehen, um das Lernen und das Vertrauen zu sichern, die für einen wirksamen Schutz notwendig sind.

Der Dialog schloss mit der gemeinsamen Überzeugung: Die Stärkung des gemeinschaftsorientierten Schutzes ist keine bloße Ergänzung formaler Institutionen, sondern eine Voraussetzung für jedes Schutzsystem, das gegenüber den Menschen, denen es zu dienen vorgibt, rechenschaftspflichtig ist.
